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Trierischer Volksfreund vom 23. Juni 2008

Fast die Hälfte versammelt: Jung und Alt beim Gruppenfoto vor der Longener Kapelle. TV-Fotos (5): Friedemann Vetter (1), Friedhelm Knopp (4)
Von unserem Redakteur Friedhelm Knopp
Mit rund 100 Einwohnern zählt der Moselort Longen in der Verbandsgemeinde Schweich zu den kleinsten Dörfern des Kreises Trier-Saarburg. Um so größer war jedoch das Interesse der Bewohner an der TV-Dorffoto-Aktion. Fast die Hälfte aller Longener versammelte sich am Samstag bei schwül-warmer Sommerluft vor der historischen Kapelle, um sich für TV-Fotograf Friedemann Vetter zum Gruppenbild zu formieren.
Longen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Longen im Jahr 674. Und die im 16. Jahrhundert errichtete Kapelle, die auch heute noch den Dorfmittelpunkt bildet, ist auch kein Bau der Neuzeit.
Doch aus neuer Zeit hingegen stammen viele Probleme, von denen Ortsbürgermeister Hermann Rosch berichtet - es sind die dieselben Wehwehchen, unter denen heute viele kleine Dörfer leiden. Da wäre einmal die Alters- und Berufsstruktur: In dem einst typischen Mosel-Weinort arbeiten nur noch zwei Vollerwerbswinzer. Der Rest der arbeitsfähigen Bewohner verdingt sich den Lebensunterhalt vorwiegend als Pendler in Trier, wobei aber viele den Weinbau noch als Nebenerwerb betreiben. Hinzu kommt die Alterspyramide. Fast 50 Prozent unserer Bewohner sind 60 Jahre und älter", erklärt Rosch. Umso erfreulicher sei in jüngster Zeit der Zuzug junger Familien, die auch wieder mehr Kinder ins Dorf gebracht hätten.
Leider ist nun beim heutigen Stand von etwa 100 Einwohnern "Ende der Fahnenstange". Longen, das sich eng an einen steilen Moselhang drückt, kann sich nicht weiter ausdehnen - kein Raum mehr für ein Erschließungsgebiet. Der Ortsbürgermeister: "Flächen hätten wir ja noch einige unten im Moselvorland. Aber die sind als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen, und es gibt keine Baugenehmigung. Nur die Altbebauung dort genießt Bestandsschutz." Er schätzt, dass Longen ohne diese Einschränkung heute 200 und mehr Einwohner zählen könnte.
Weniger als Defizit empfunden wird die fehlende Infrastruktur. Die Longener sind bei Versorgung und Dienstleistung zum nahen Mehring und nach Schweich orientiert. Voraussetzung ist jedoch ein eigener PKW. Rosch: "Über unsere ÖPNV-Anbindung durch eine an der Mosel bekannte Busgesellschaft schweigt des Sängers Höflichkeit." Gottesdienst mit Bischof Marx
Auch das Vereinsleben ist eng gebunden an den Nachbarort Mehring, wo auch die Kinder Grundschule und Kindergarten besuchen. Zudem gehört Longen zur Pfarrgemeinde Mehring.
Rosch: "Der Grundschulneubau in Mehring wurde nur unter der Vorgabe errichtet, dass dort unsere Kinder auch unterrichtet werden können."
Die Longener freuen sich an ihrer guten Dorfgemeinschaft und an ihrer malerischen Lage in einer weltberühmten Flusslandschaft - dies versichern alle beim großen Treffen vor der Kapelle, in der auch Bischof Reinhard Marx einmal eine Messe zelebrieren wollte und es auch tat. Ein Ereignis, von dem man heute noch spricht.
Der kleine Moselort könnte die perfekte Idylle sein, wenn da nicht "die Straße" wäre. Gemeint ist die B 53, die den Ort brutal in zwei Hälften teilt. Gezählt wurden jüngst 5500 bis 6000 Durchfahrten pro Tag. Besonders für Ältere und Kinder ist es oft ein Problem, sicher die andere Seite zu erreichen.
"Messungen ergaben, dass gut 50 Prozent mit mehr als den vorgeschriebenen 50 km/h hier durchfahren. Die Touristen halten sich ja meistens an die Regeln. Aber von den Fahrern mit TR oder WIL auf dem Kennzeichen kann man das leider nicht behaupten.
Seit vielen Jahren kämpfen wir vergebens um Tempo 30 oder einen Überweg mit Zebrastreifen", klagt der Ortsbürgermeister. Doch der Landesbetrieb Mobilität (LBM) blocke ab, verweise auf Baunormen und Vorschriften für Bundesstraßen. Wenigsten habe der LBM nun versuchsweise ein Provisorium zugestanden: Eine Verkehrsinsel aus gelben Schwellen und Baken soll das Tempo drosseln.
Ob's hilft? Die Longener jedenfalls lassen sich ihr Dorf und ihren Gemeinschaftssinn auch nicht von einer Bundesstraße durchtrennen.
Dahmen: Der Winzermeister ist stolz auf sein Heimatdorf, das er als "idyllische Ortschaft" beschreibt. Bei allen Problemen mit der B 53 sieht er Vorteile, denn "viele halten hier auch mal an, um Wein einzukaufen". Die TV-Aktion findet er "toll, weil dabei die ganz kleinen Orten im Vordergrund stehen".
Michaela Sczepaniak: Weil wir vor drei Jahren ein Häuschen suchten, bin ich durch Zufall nach Longen gekommen. Ich habe es nicht bereut. Nun wohnen wir da, wo andere Urlaub machen. Die Idee mit den TV-Dorffotos ist gut, weil dadurch ein kleiner Ort wie Longen mal wieder ins Gespräch kommt.
Nicole Geib: Mir gefällt an Longen die ländliche Lage, verbunden mit der guten Verkehrsanbindung. Im Nu ist man in Trier oder in Luxemburg. Hinzu kommen die nahen Einkaufsmöglichkeiten in Schweich oder Mehring. Schön ist auch, dass bei nur 100 Einwohnern hier jeder jeden kennt. Die TV-Aktion finde ich übrigens Klasse. Besonders weil man sieht, dass es noch mehr kleine Orte gibt und man etwas über sie erfährt.
Silvia Frick: Ich kam 1980 "der Liebe wegen" nach Longen. Mir gefällt es hier sehr gut - ich bin hier zu Hause. Besonders schätze ich die guten Kontakte und eine Gemeinschaft, in der nie einer allein gelassen wird, wenn er einmal Hilfe braucht. Kein Vergleich zur Anonymität großer Orte. Deshalb finde ich auch die TV-Aktion gut. Sie zeigt, dass diese kleinen Dörfer großen Familien ähneln.
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